Hat Gott das Coronavirus geschickt?

Darauf gibt es eine einfache und eine etwas kompliziertere Antwort. Die erste lautet: Nein! Quatsch! Genauso wenig, wie er das Aids-Virus erschuf, um bestimmte Menschengruppen zu bestrafen (wie sich besonders fromm dünkende ”Gläubige” behaupteten), stammt nun das Coronavirus von ihm, um etwa wirtschaftliche Hybris zu ahnden, um durch eine Art ökonomischer Sintflut für Ordnung zu sorgen. Folge: Absturz der Börsenwerte international wie beim DAX. Das ist alles sicherlich nicht von Gott gemacht.
Andere Antwort, wie angekündigt etwas komplexer: Klar hat Gott auch irgendwie das Coronavirus zu verantworten, wenn er für
alles in der Welt durch seine Schöpfung zuständig wäre. Dazu zählen eben nicht nur die schönen Dinge – ”Und siehe, es war alles sehr gut und schön”, wie er am Ende eines jeden Schöpfungstages in der Bibel kommentiert –, sondern auch das Hässliche auf unserer Erde. Warum auch immer das so ist, sei hier nicht diskutiert. Doch das Coronavirus gehört im Moment mit zum Hässlichsten, was wir zu bewältigen haben.
Nicht so sehr aufgrund dessen offenbar hoher Ansteckungsfähigkeit und rasanter Verbreitung, sondern wegen der auch sozialen Folgen, wenn möglicherweise Infizierte stigmatisiert werden und man sich kaum noch auf die Straße traut. Die wirtschaftlichen Verwerfungen auch in Deutschland stehen erst noch bevor. Mit der Hoffnung, dass sich das dann bald wieder erholt, wenn der Corona-Wahn erst mal vorbei ist.

Doch was lässt sich nun
Konstruktives daraus machen, also durchaus in christlicher Perspektive? Da ist man direkt wieder bei Jesus und der Nächstenliebe, ganz praktisch und konkret: Rücksicht nehmen! Schon bei der sozusagen ”gewöhnlichen”, weil so vertrauten Grippe (also der für viele äußerst gefährlichen Influenza, gegen die man sich glücklicherweise impfen lassen kann), ist es während der Erkältungszeit mehr als geboten, auf allzu enge Kontakte mit vielen anderen Menschen zu verzichten. Jedem und überall die Hand zu schütteln, gehört zum Beispiel zu dem, was absolut verzichtbar ist. Aber trotzdem leider als unhöflich gilt.
Es ist jedoch eine der häufigsten Übertragungsformen von Infektionskrankheiten – warum dann nicht in diesen Monaten es einfach mal lassen? Man kann auch jemandem freundlich zuwinken, ”Hallo” und ”Guten Tag” sagen. Auch Umarmungen, so nett sie gemeint sind, sollte man im Moment tunlichst unterlassen. Das ist auch eine Frage der Rücksichtnahme, eigene Infektionen oder Risiken für sich zu behalten.
Leider erlebe ich es durchaus, dass mir jemand schon mal die Hand schüttelt und relativ nah kommt und dann sagt, ”Ach, Herr Pfarrer, ich bin ja so erkältet... Habe die Grippe…”. Oder sonst was. Geht gar nicht! Natürlich auch nicht bei allen anderen Mitmenschen.
Offenkundig kranke Kinder in Schule, Kita, in den Musikunterricht, ins Sporttraining oder in den Konfirmandenunterricht zu schicken, ist auch völlig daneben. Wird aber leider immer noch allzu häufig praktiziert.
Also, Leute, noch mal zum Mitschreiben:
Rücksicht nehmen! Das fällt vielen in unserem Land ohnehin immer schwerer, siehe Straßenverkehr. Aber jetzt, wo doch jeder betroffen ist, könnte man mal darüber nachdenken, was man selbst tun kann, um andere nicht unnötig zu gefährden. Wie es Jesus auch in der goldenen Regel sagt: ”So, wie du von anderen behandelt werden willst, so behandle diese auch”.
Ja, ich will von anderen möglichst verschont bleiben, was deren Viren und Bakterien betrifft. Nicht angehustet werden, keine Hand gereicht bekommen, wenn jemand potenziell krank ist (was im Moment jeder sein kann!). Also lasse ich es auch bei anderen. Ist doch eigentlich ganz einfach?
Und absolut eine sowohl christliche als auch mitmenschliche Handlungsart. Es kommen auch wieder bessere Zeiten – dann endlich dürfen wir uns wieder nach Herzenslust begrüßen, die Hand reichen und umarmen. Jetzt aber gilt: ”Fastenzeit”. Auch im täglichen Umgang miteinander – und auch für die anderen!