Kurze Geschichte der Thalkirche

Evangelische Pfarrkirche Sonnenberg (Thalkirche)
Eine ausführlichere Beschreibung als PDF-Datei findet sich im
Download-Bereich.

1. 1429 Werner Hut, Burgmann von Sonnenberg, stiftet die Kapelle
St. Maria im Tal und begabt sie mit Schenkungen zur Bezahlung eines
Altaristen und Unterhalt der Bauwerks

2. 1529 Johann von Nassau-Sporkenburg, Erbe der Familie von Hut,
öffnet die bisherige Privatkapelle für die Einwohner von Sonnenberg
und erlaubt im Wechsel katholische Messen und evangelischen
Predigtgottesdienst

3. 1535 Die zu klein gewordene Marienkapelle wird, wahr-scheinlich
im Umfang des heutigen Grundrisses, jedoch ohne Chor erweitert. Ein
Dachreiter nimmt eine kleine Glocke auf. Über dem Eingang gotische
Jahreszahl 1535

4. 1595 Der Pfarrer von Wiesbaden übernimmt nach jahrzehntelanger
Vakanz, während der die Sonnenberger nach Wiesbaden oder Bierstadt
zum Gottesdienst gehen müssen, die Marienkapelle als Filialkirche
seiner Pfarrei

5. 1609 Sonnenberg wird selbständige Pfarrei

6. 1625 Die Kapelle ist wegen Baufälligkeit nicht mehr benutzbar.
Der Gottesdienst findet während des 30jährigen Krieges und Jahrzehnte
danach in der Heiligkreuzkapelle auf dem Sonnenberger Friedhof statt.
7.1672 Die Kapelle (und der Altar im Kapellenturm der Burg) werden
von durchziehenden „brandenburgischen Völkern" bis auf das bloße
Mauerwerk geplündert

8. 1687 Der Kanzleidirektor des Fürsten Georg Augusr von Nassau-
Idstein, Joh. Georg Graff, erwirbt das Patronat der Kirche und lässt
sie in ihrem heutigen Umfang mit barockem Turmaufbau als jetzt meist
sogenannten Liebfrauenkirche neu errichten.

9.1711 Fräulein Eleonore von Lindau, Tante des damaligen
Patronatsherrn, stiftet den bemerkenswerten Taufstein aus Lahnmarmor.
Er trägt ihr Todesjahr 1711 und ein Lindenblatt, das Wappenzeichen
ihrer Familie

10. 1733 Wegen der gewachsenen Bevölkerung erhält das nun häufig
Liebfrauenkirche genannte Gotteshaus eine umlaufende Empore. Diese
verdunkelt den Innenraum, so dass der Grundherr, Reichshofrat Georg
Wilhelm von Schulz, im Herrenstuhl und der Pfarrer auf der Kanzel
keine Texte mehr lesen konnten. Deshalb werden die Fenster in ihrer
heutigen unregelmäßigen Anordnung erweitert und neu ins Mauerwerk
gebrochen.

11. 1766 erhält die Kirche neue Glocken, die während der beiden
Weltkriege eingeschmolzen wurden. Die älteste Glocke von 1690 steht
auf dem Grab des Pfarrers Rohr, weil sie beim Läuten während seiner
Beerdigung 1934 gesprungen war.

12. 1748 Die älteste Orgel, von der wir wissen, wird angeschafft.
1784 durch eine neue Orgel des Wiesbadener Orgelbauers Joh. Andreas
Mahr ersetzt, erhält die Kirche 1883 die von Gustav Raßmann in Möttau
bei Weilburg erbaute, heute noch gespielte Orgel mit 1 Manual und 10
Registern.

13. 1883 Grundlegende Renovierung der Kirche. Mit dem Einbau der
neuen Orgel erhält die Kanzel ihren heutigen Platz in der Mitte über
dem Altar. Diese Aufstellung verwirklich die Idee der
protestantischen Predigtkirche, wie sie sich im sog. „Wiesbadener
Programm“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konzipiert wurde.

14. 1991-94 Gründliche Innenrenovierung. Erneuerung des niedriger
gelegten Fußbodens (Entdeckung der Gruft der Pfarrrsfrau Anna
Catharina Poths (+ 1755) und ihrer 2-jährigen Enkelin (rechts) und
der ausgeräumten Gruft der Familie des Reichshofrats von Schulz
(links vom Altar).

15. Die Glocken heute: Große Glocke (1954): O LAND LAND LAND HÖRE DES
HERREN WORT. - Mittlere Glocke (1954); FÜRCHTE DICH NICHT SONDERN
SEI FRÖHLICH UND GETROST. – Kleine Glocke (Schlagglocke; 1920): Aus
der Tiefe rufe ich Herr zu dir. Die Schlagtöne sind „b1, des2 , es2.
Sie ergeben in ihrer Tonfolge von unten nach oben das sog. „Te deum“-
Motiv.

Walter Czysz