Michael Jackson - R.I.P. (überarbeitete Fassung)

Die folgenden Zeilen sind eine Überarbeitung und Aktualisierung des Blogs vom 27.6.2009:
Wenn man am und nach dem Todestag von Popstar Michael Jackson, dem 25. Juni 2009, die Internetseite des Musiksenders MTV aufrief, wurde man auf schwarzem Hintergrund mit weißer Schrift empfangen. Dort stand zu lesen: „R.I.P. King of Pop, Michael Jackson.“ R.I.P. bedeutet lateinisch: Requiescat in pace, oder englisch: Rest in peace. Auf Deutsch: Ruhe in Frieden.
Auch mich hat der - im Vergleich zu den nur so genannten - wahre ”Poptitan” durch seine Musik und seine unglaublichen Tanzeinlagen wie beispielhaft dem ”Moonwalk” in den Achtziger- und Neunzigerjahren immer wieder begeistert. Man kann die Videos dazu auf den Seiten von MTV oder Youtube staunend betrachten. Dass Jackson zuletzt nur noch ein Schatten dieser ruhmreichen Tage schien, konnte jeder an den Magazin- und TV-Bildern von ihm erkennen. Es war kaum vorstellbar, dass er mit der geplanten Welttournee, die dann sein Tod verhindert hat, auch nur ansatzweise an seine großen Zeiten hätte anknüpfen können. Allerdings hat der Film ”This is it” gezeigt, dass er offenbar doch noch in einer angesichts dieser Eindrücke erstaunlichen Form war. Schade, dass seine Fans seine geplanten Konzertauftritte nicht mehr erleben durften. Doch so oder so wird er der ”King of Pop” bleiben, ein Titel, den er sich nur mit Elvis Presley oder als Gruppe mit den Beatles teilen muss.
Michael Jackson war am Ende ein tragischer Held der Popzeit. Wir kennen die Erzählungen über seine knallharte Kindheit, wir haben die Entwicklung von einem schwarzen Künstler zum Kunstprodukt mit schmaler Nase und weißer Haut vor Augen. Vom Mann mutierte er scheinbar zum androgynen Wesen. Wie man heute jedoch weiß, hingen diese Veränderungen wohl mit der Hautkrankheit Vitiligo
zusammen. Feuer auf der Bühne, das bei Proben schon frühzeitig seine Haare versengt hatte, machten ihn von Schmerzmitteln abhängig. Skandale um angebliche Vorkommnisse auf seiner ”Neverland Ranch” bestimmten die Schlagzeilen schließlich mehr als Berichte von seinen Erfolgen als Musiker.
Was im kollektiven Gedenken seiner weltweiten Fans verbleiben wird, ist auf jeden Fall Letzteres. Jackson hat die Popmusik bewegt wie wenige Künstler sonst. Möge er in Frieden ruhen. Im Musikerhimmel ist gewiss ein Platz für ihn. Michael Jackson - R.I.P.!

Wo sind all die Blogs geblieben?

Schon vor einigen Jahren hatte ich die Idee zu einem Pfarrer-Blog, in dem ich möglichst täglich kurz und knapp, aber möglichst pointiert Gedanken zu aktuellen Geschehen äußere. Als ich dann im April letzten Jahres endlich damit online ging, war mein Anspruch nur noch: Einmal wöchentlich, dafür aber ausführlicher, im Stil eines persönlichen Kommentars. Wie man sieht, habe ich auch diesen Rhythmus nicht durchgehalten. Es ist eben doch nicht so leicht, neben der alltäglichen Arbeit Blogs zu schreiben, die zugleich eine gewisse Qualität haben sollen, interessante Themen aufgreifen und sich mit dem Anspruch einer kirchlichen Gemeinde-Homepage vereinbaren lassen. Oft fehlt mir dazu auch schlicht die Zeit, wohl deswegen vor allem hatte ich intuitiv so lange gezögert, mit dem Pfarrer-Blog Ernst zu machen. Und das Fazit? Die bisherigen Pfarrer-Blogs bleiben. Ob ich zu neuen Beiträgen komme, wird sich zeigen. Da der Pfarrer-Blog auf unserer Homepage recht häufig abgerufen wird, bitte ich alle Besucherinnen und Besucher hiermit um Verständnis für die nur spärlichen Neuerscheinungen.

Votum im Bundestag: Patientenverfügungen jetzt bindend

Es war höchste Zeit, dass eine Entscheidung fällt, wie künftig mit den zahlreichen, jedoch in Form und Inhalt überaus unterschiedlichen Patientenverfügungen verfahren werden soll. Nunmehr ist klar, dass der Patientenwille grundsätzlich zu respektieren ist, insbesondere, sofern er schriftlich fixiert vorliegt. Natürlich lässt sich das Sterben nicht „normieren“. Nach wie vor sind das Gespräch und die aktuelle Abstimmung zwischen Ärzten, Angehörigen und wenn möglich den Betroffenen selbst am Krankenbett vonnöten. Aber mein erklärter Wille als Patient muss nun viel deutlicher als vorher respektiert werden, auch, wenn ich mich nicht mehr dazu äußern kann. Aus christlicher Sicht ist es richtig zu betonen, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, das wir aus seiner Hand empfangen haben. Dennoch, wie der evangelische Theologe Friedrich-Wilhelm Graf zu Recht fragt: Darf man über ein Geschenk nicht verfügen? Und darf man es nicht wieder selbst in Gottes Hand zurückgeben? Selbstbestimmung ist für einen freien Christenmenschen auch an der Grenze zwischen Leben und Tod ein hohes Gut. Insofern hat der Bundestag zu diesem Thema einen verantwortungsvollen Beschluss gefasst, der das Sterben nicht leicht macht, aber doch in vielen Einzelfällen ein würdigeres Lebensende ermöglicht. Die kritische Diskussion ist damit nicht vorbei, und das ist gut so. Sie setzt sich aber nun auf einer klareren Grundlage fort, die darüber hinaus die Debatte um die so genannte aktive, passive und indirekte Sterbehilfe konstruktiv beeinflussen dürfte.

Bibelgezwitscher: Die Heilige Schrift im Twitterformat

Was für eine aberwitzige Idee: Die Bibelverse und -erzählungen in der extremen Kurzform von maximal 140 Zeichen pro Botschaft zusammenzufassen, und das in 10 Tagen, vom Ende des letzten Kirchentags in Bremen (20. Mai) bis Pfingstsonntag 2009. Am Ende waren die etwas über 3900 Kurznachrichten sogar schon einen Tag früher fertig und sind auf evangelisch.de nachzulesen. Seitdem das Ergebnis der Wiederwahl von Bundespräsident Köhler bereits vor der offiziellen Verkündung durch Abgeordnete aus dem Parlament hinausgetwittert wurde, ahnt man den Einfluss dieser neuen Art, sich schnellstens und kürzestens der Welt mitzuteilen. Darum ist es gut, dass die Twitter-Bibel selbst von höchsten evangelischen Würdeträgern nicht nur begrüßt, sondern sogar miterstellt wurde, wie in der Netzeitung zu lesen ist. Puristen werden trotzdem jammern und stöhnen, ob man das Wort Gottes wirklich so „verhunzen“ darf. Die Schöpfungsgeschichte? Bitte schön: „Gott schuf Himmel und Erde. Sie war leer. Er erschuf Tag und Nacht. Es kam der erste Tag und es war Gut!“ Nur als ein Beispiel für die Ultrakurzfassungen des ersten Schöpfungstags. Oder die Seligpreisungen der Bergpredigt: „Selig sind die Armen, die Sanftmütigen, die Barmherzigen, die Friedfertigen, die Verfolgten. Seid froh, euer Lohn ist im Himmel.“ Okay .... Die Volxbibel, der große Boss, die Bibel als Comic, Bibelverse als SMS und nun fröhlich gezwitschert. Zur nächsten Buchmesse in Frankfurt soll das Ganze auch noch gedruckt erscheinen. Wer’s nicht mag, nimmt halt immer seine dicke Lutherbibel mit. Andere ergötzen sich an den kürzesten Fassungen, die man sich von der Heiligen Schrift derzeit denken kann. Die versteht man im Grunde sowieso nur richtig, wenn man das „Original“, also die ganze Bibel kennt. Oder man fühlt sich durch die Tweets animiert, nach der ausführlichen Version zu greifen. Also: Ich finde es gut. Das Wort Gottes ist sehr anschmiegsam und lässt sich in äußerst vielfältigen Formen verpacken. Hauptsache, die Botschaft kommt rüber. Wenn Twittern dabei hilft, und das glaube ich, dann herzlich willkommen im Club ...

Navid Kermani oder: Skandal ums Kreuz

Der Apostel Paulus wusste es schon sehr genau: Die Predigt vom gekreuzigten Jesus, immerhin von Christen als Gottessohn bekannt, ist denen, die nicht an ihn glauben, eine Torheit, ja ein Ärgernis, im griechischen Urtext wörtlich: ein skandalon (1 Korinther 1,23). Daher ist es keine Überraschung, wenn ein nicht-christlicher Islamwissenschaftler wie der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani bei der Betrachtung eines Kreuzigungsgemäldes die von ihm so wahrgenommene „Hypostasierung des Schmerzes barbarisch, körperfeindlich“ findet und diesen Anblick gar als „Gotteslästerung und Idolatrie“ beurteilt. Klar, das sind für Christen schallende Ohrfeigen. Aber hatte Paulus das nicht vorhergesagt?! Das Kreuz ist und bleibt ein Skandal, und übrigens haben ja auch viele Christen ihre liebe Mühe mit einem positiven Verständnis der Kreuzestheologie.
Kardinal Karl Lehmann und dem ehemaligen evangelischen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker jedenfalls waren diese Worte Kermanis in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung Grund genug, den Hessischen Kulturpreis für sich abzulehnen, wenn auch Kermani ihn zugesprochen bekäme. Lehmann schrieb offensichtlich einen schroff ablehnenden Brief an Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch mit der Folge, dass Kermani der Preis wieder abgesprochen wurde.
Dabei hatte Kermani im weiteren Verlauf seines Artikels über Guido Renis „Kreuzigung“ von 1637/38, einem Altarbild in der römischen Basilika San Lorenzo in Lucina, noch fast zärtliche, ganz gewiss einfühlsame Worte für sein evolutionäres Verhältnis zum Kreuz gefunden. Er bekennt, dass er „den Anblick so berückend, so voller Segen [fand], dass ich am liebsten nicht mehr aufgestanden wäre. Erstmals dachte ich: Ich – nicht nur: man –, ich könnte an ein Kreuz glauben...“.
Natürlich wird der Artikel Kermanis dadurch nicht zum christlichem Bekenntnis. Aber er ist doch eine überraschende, auch Christen nachdenklich stimmende intensive Auseinandersetzung mit dem christlichen Symbol schlechthin, dem Kreuz. Anstatt ihn zu verurteilen, wäre es besser gewesen, christliche Toleranz zu demonstrieren, gerade weil man sie bei anderen religiösen Überzeugungstätern bekanntlich nicht immer findet. Mit dem Muslim Kermani am 5. Juli auf der hessischen Bühne in Wiesbaden und in direkter, öffentlicher Diskussion hätte man kundtun können, dass Christen selbst den Gekreuzigten als Bild der Erlösung und Befreiung von den Todesmächten begreifen. Eine „Gotteskraft“, wie Paulus sagt, ist das
skandalon in Wahrheit. Das verständlich und durchaus kontrovers zu formulieren, egal wann, wie und wo, ist eine der obersten christlichen Pflichten. Flucht vor der Kritik, und empfinde man sie also noch so herb, dagegen nicht. Schade: Chance verpasst und Christen in den Ruf der Intoleranz gebracht.
Der Text von Kermani in der NZZ ist übrigens auch
online nachzulesen. Ebenso seine Stellungnahme (PDF) zur Aberkennung des Hessischen Kulturpreises in der FAZ. Es lohnt sich, beides aufmerksam zu lesen. Denn da spricht kein blasphemischer Christenfresser, sondern ein nachdenklicher Mensch. Und von denen können wir gerade in Sachen Dialog der Religionen nicht genug haben, auf allen Seiten ...