Judas ein Held?

Eine alte, aber im Verhältnis zum Ur-Christentum (ab 30 n.Chr. etwa) doch sehr späte Überlieferung über Judas (frühestens ab 150 n.Chr.) soll die wahre Geschichte über dessen Verrat an Jesus enthüllen. Demnach war Judas der engste Vertraute des Messias, der den Meister als Einziger der Jünger wirklich verstand und im Konsens mit ihm die Auslieferung Jesu einfädelte, damit dieser seine Mission erfüllen und in den Himmel zurückkehren könnte. Spannend zu lesen ist es allemal, was der Spiegel (16/2009) passend am Karsamstag als Titel herausbringt. Allzu ernst nehmen sollte man es aber nicht. Abweichende Evangelien gibt es eine Menge, die meisten grenzen eher an Fantasy denn an glaubwürdiger Überlieferung. Da kann man auch gleich Dan Browns „Sakrileg“ lesen. Zu glauben, was in den biblischen vier Evangelien steht, fällt den meisten Mitmenschen schon schwer genug, „fantastische“ Elemente wie die wunderbare Geburt oder die überirdische Auferstehung Jesu bis hin zu seiner Himmelfahrt enthalten diese in Hülle und Fülle. Wäre gut, diese wieder einmal kritisch zu lesen. Am besten mit einem leicht verständlichen, dabei solide recherchierten Buch dazu wie von Christian Nürnberger, Die Bibel. Was man wirklich wissen muss (Rowohlt Berlin 2005).