Votum im Bundestag: Patientenverfügungen jetzt bindend

Es war höchste Zeit, dass eine Entscheidung fällt, wie künftig mit den zahlreichen, jedoch in Form und Inhalt überaus unterschiedlichen Patientenverfügungen verfahren werden soll. Nunmehr ist klar, dass der Patientenwille grundsätzlich zu respektieren ist, insbesondere, sofern er schriftlich fixiert vorliegt. Natürlich lässt sich das Sterben nicht „normieren“. Nach wie vor sind das Gespräch und die aktuelle Abstimmung zwischen Ärzten, Angehörigen und wenn möglich den Betroffenen selbst am Krankenbett vonnöten. Aber mein erklärter Wille als Patient muss nun viel deutlicher als vorher respektiert werden, auch, wenn ich mich nicht mehr dazu äußern kann. Aus christlicher Sicht ist es richtig zu betonen, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, das wir aus seiner Hand empfangen haben. Dennoch, wie der evangelische Theologe Friedrich-Wilhelm Graf zu Recht fragt: Darf man über ein Geschenk nicht verfügen? Und darf man es nicht wieder selbst in Gottes Hand zurückgeben? Selbstbestimmung ist für einen freien Christenmenschen auch an der Grenze zwischen Leben und Tod ein hohes Gut. Insofern hat der Bundestag zu diesem Thema einen verantwortungsvollen Beschluss gefasst, der das Sterben nicht leicht macht, aber doch in vielen Einzelfällen ein würdigeres Lebensende ermöglicht. Die kritische Diskussion ist damit nicht vorbei, und das ist gut so. Sie setzt sich aber nun auf einer klareren Grundlage fort, die darüber hinaus die Debatte um die so genannte aktive, passive und indirekte Sterbehilfe konstruktiv beeinflussen dürfte.