Papst strebt gemeinsames Abendmahl an

Die Christenheit ist bekanntlich tief gespalten. Zunächst durch das große "morgenländische" Schisma 1054, als sich die Kirche des Ostens als Orthodoxe von den römischen Katholiken abspalteten. Aufgrund ehelicher Verwicklungen des englischen Königs Heinrich VIII. kam es ab 1531 zu einer eigenen anglikanischen Kirche. Und am 31. Oktober 2017 blicken die Kirchen auf 500 Jahre Reformation zurück, was es nicht nur zu feiern gilt. Denn dadurch kam es auch zu einer weiteren tief gehenden Spaltung der westlichen Christenheit in Katholisch und Evangelisch.
Während wichtige theologische Streitpunkte wie das Verständnis der "Rechtfertigung" inzwischen als geheilt gelten, gibt es immer noch nicht die Möglichkeit, dass evangelische und katholische Christen offiziell das Abendmahl respektive die Eucharistie miteinander feiern. Das liegt an einer unterschiedlichen theologischen Interpretation dessen, was beim Abendmahl passiert (katholisch: "Wandlung"), sowie am unterschiedlichen Amtsverständnis. Für die katholische Kirche stehen evangelische Geistliche nicht in der sogenannten "apostolischen Sukzession", das heißt der direkten Nachfolge des Apostels Petrus.
Umso ermutigender ist nicht nur die Teilnahme von Papst Franziskus I. an einem gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenken im schwedischen Lund am 31. Oktober 2016. Allein das ist bemerkenswert. Doch die gemeinsame Erklärung, vom Papst persönlich mit unterschrieben, dürfte in der Tat Geschichte schreiben. Dort heißt es unter anderem:

Viele Mitglieder unserer Gemeinschaften sehnen sich danach, die Eucharistie in einem Mahl zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit. Wir erfahren den Schmerz all derer, die ihr ganzes Leben teilen, aber Gottes erlösende Gegenwart im eucharistischen Mahl nicht teilen können. Wir erkennen unsere gemeinsame pastorale Verantwortung, dem geistlichen Hunger und Durst unserer Menschen, eins zu sein in Christus, zu begegnen. Wir sehnen uns danach, dass diese Wunde im Leib Christi geheilt wird. Dies ist das Ziel unserer ökumenischen Bemühungen […] Wir beten zu Gott, dass Katholiken und Lutheraner fähig sein werden, gemeinsam das Evangelium Jesu Christi zu bezeugen, indem sie die Menschheit einladen, die gute Nachricht von Gottes Heilshandeln zu hören und zu empfangen.

Von dieser Begegnung und der gemeinsamen Erklärung berichtet ausführlich Katholisch.de, das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland.
Nun bleibt es abzuwarten, ob den beeindruckenden Worten auch konkrete Taten folgen und wir es tatsächlich bald erleben dürfen, dass evangelische und katholische Christinnen und Christen das heilige Abendmahl ganz offiziell gemeinsam miteinander feiern. Theologisch wie ekklesiologisch (vom Kirchenverständnis her) wäre das nicht weniger als eine neue Reformation, wenn nicht sogar Revolution. Die Einheit der Kirchen ist jedenfalls dringend erforderlich und würde weltweit neue Impulse und mitreißende Signale setzen, welche sich für die Gläubigen aller Konfessionen und Denominationen konstruktiv für einen neuen Aufbruch nutzen ließen.